Autorenlesung mit Fr. Traoré: Zwischen zwei Welten – und vielen Geschichten

Gleich an zwei Tagen durften die Schülerinnen und Schüler eine besondere Begegnung mit Literatur erleben: Fr. Traoré war zu Gast und begeisterte mit zwei unterschiedlichen Lesungen. Am Montag stellte sie ihr Werk „Kinder des Treibsands“ vor, am Dienstag folgte eine weitere Lesung aus „Sister Spirit“. Die Schriftstellerin, die seit über 25 Jahren in Deutschland lebt, nahm ihr Publikum dabei mit auf eine persönliche und literarische Reise zwischen Deutschland und Nigeria.

Im Mittelpunkt der ersten Lesung stand „Kinder des Treibsands“, aus dem sie ausgewählte Passagen vortrug. Dabei wurde schnell deutlich: Viele ihrer Geschichten sind inspiriert von eigenen Erlebnissen aus ihrer Kindheit und Jugend. Diese Authentizität machte die Lesung besonders eindringlich und nahbar. Das Buch, das sich an Leserinnen und Leser ab etwa 10 Jahren richtet, stieß auch bei den Schülerinnen und Schülern auf großes Interesse – nicht zuletzt durch die lebensnahen Themen und spannenden Einblicke in eine andere Lebenswelt.

Am zweiten Tag gab Fr. Traoré mit „Sister Spirit“ weitere Einblicke in ihr schriftstellerisches Schaffen. Auch hier standen Fragen von Identität, Herkunft und persönlichen Erfahrungen im Mittelpunkt – Themen, die die Autorin in ihren Werken immer wieder aufgreift.

In der anschließenden Fragerunde zeigte sich Fr. Traoré offen und persönlich. Sie berichtete von ihrem Alltag als Autorin, aber auch von den Herausforderungen des Schreibens. Ideen entstehen oft unerwartet – nicht selten hält sie diese in einem Notizblock fest, der stets griffbereit neben ihrem Bett liegt. Der Weg von der ersten Idee bis zum fertigen Buch sei jedoch lang: Ein erster Entwurf entstehe meist innerhalb eines halben Jahres, gefolgt von mehreren Überarbeitungsphasen. Sowohl ihre Agentin als auch der Verlag begleiten diesen Prozess intensiv, bevor ein Buch schließlich veröffentlicht wird.

Auf die Frage nach ihrem Werdegang erzählte sie, dass sie erst mit Anfang 30 begonnen habe zu schreiben – zunächst Kurzgeschichten. Heute ist das Schreiben ihr Hauptberuf. Parallel arbeitet sie häufig an mehreren Projekten gleichzeitig oder greift ältere Ideen wieder auf. Sie hat mehrere Bücher veröffentlicht und wurde für ihr literarisches Schaffen auch international ausgezeichnet.

Neben ihrer schriftstellerischen Tätigkeit gewährte Fr. Traoré auch Einblicke in ihr persönliches Leben: Sie ist Mutter von drei Kindern und hat mit ihnen bereits mehrfach Nigeria besucht, wo ein Teil ihrer Familie lebt. Besonders das Essen aus ihrer Heimat vermisse sie in Deutschland manchmal sehr. Nigeria selbst sei ein Land großer sprachlicher Vielfalt mit über 200 Sprachen – sie spricht unter anderem Yoruba sowie Englisch, Deutsch und Französisch.

Mit 18 Jahren kam Fr. Traoré nach Deutschland, um zu studieren – sie absolvierte ein BWL-Studium in Hamburg. Als Halbdeutsche wollte sie auch ihre deutschen Wurzeln näher kennenlernen. Von ihren Geschwistern ist sie die Einzige, die dauerhaft in Deutschland geblieben ist. Dennoch reist sie regelmäßig nach Nigeria und hält engen Kontakt zu ihrer Familie. Ob sie eines Tages zurückkehrt, lässt sie offen – ganz nach ihrem Motto: „Never say never.“

Ein besonderer Dank gilt der Stadtbibliothek Schwandorf, insbesondere Frau Präßler, für die harmonische und engagierte Zusammenarbeit bei der Organisation der Lesungen. Die Veranstaltung fand im Rahmen der „Internationale Wochen gegen Rassismus“ statt und setzte damit ein wichtiges Zeichen für Offenheit, Toleranz und interkulturellen Austausch.

Besonders eindrucksvoll war die durchweg positive Resonanz der Schülerinnen und Schüler. Viele bewerteten beide Lesungen mit der Bestnote und hoben vor allem die persönlichen Einblicke hervor:

So wurde mehrfach betont, wie spannend die Erzählungen aus ihrer Kindheit in Nigeria gewesen seien und wie viel Neues man über das Land und seine Kultur erfahren habe. Besonders beeindruckte viele, wie authentisch sie von ihrem Leben berichtete und dass ihre Geschichten „so lebendig und echt“ wirkten.

Auch ihre persönliche Lebensgeschichte hinterließ Eindruck: Mehrere Schülerinnen und Schüler nahmen mit, dass man „nicht alles schon früh wissen muss“ und dass man seinen beruflichen Weg auch später noch finden kann. Die Tatsache, dass Fr. Traoré erst mit Anfang 30 zu schreiben begann, wurde dabei als ermutigend wahrgenommen.

Andere hoben hervor, dass die Lesungen eine willkommene Abwechslung zum Schulalltag waren und besonders das Vorlesen sowie die ergänzenden Erzählungen geschätzt wurden. Einige äußerten sogar den Wunsch, künftig noch mehr Zeit für solche Veranstaltungen einzuplanen, da diese „sehr spannend und bereichernd“ seien.

Neben der Begeisterung für die Inhalte nahmen die Schülerinnen und Schüler auch konkrete Impulse mit: etwa die Idee, eigene Gedanken und Erlebnisse aufzuschreiben, oder ein gesteigertes Interesse an Literatur und anderen Kulturen.

Die Begegnung mit Fr. Traoré hinterließ somit nicht nur einen bleibenden Eindruck, sondern zeigte eindrucksvoll, wie Literatur Brücken zwischen Lebenswelten schlagen kann. 

Sandra Schmidt-Kuhlmann

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